03.07.2013

Cancer related Fatigue ist kein Päusbonog

Die sog. Cancer related Fatigue CrF, d.h. die als Folge einer Krebserkrankung auftretende Müdigkeit, ist kein pathophysiologisch unklares Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage (sog. Päusbonog, vgl. dazu hier). Das hat das Bundesgericht in einem Urteil 8C_32/2013 vom 19.06.2013 entschieden. Die für somatoforme Schmerzstörungen etc. entwickelte sog. Überwindbarkeitsrechtsprechung, die davon ausgeht, dass solche Störungen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind, ist daher nicht anwendbar.
Wörtlich erklärt das Bundesgericht in Erwägung 3.4 des Urteils: Definitionsbedingt tritt diese Form der Fatigue zwingend in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung auf. Ein Hinweis auf die Einordnung in die somatoformen Störungen findet sich in der medizinischen Literatur nicht. Damit grenzt sich die tumorassoziierte Fatigue auch klar vom Chronic Fatigue Syndrome (CFS; ICD-10 G93.3) als eigenständiges Krankheitsbild ab, wenngleich die CrF noch nicht als eigene Krankheitsentität Eingang in die ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) gefunden hat. Es bestehen aber von der Fatigue-Coalition definierte Diagnosekriterien analog zu ICD-10-Kriterien (Heim/Feyer, a.a. O. S. 42).
Als Begleitsymptom onkologischer Erkrankungen und ihrer Therapie liegt der CrF zumindest mittelbar eine organische Ursache zugrunde, weshalb es sich mit der Vorinstanz nicht rechtfertigt, sozialversicherungsrechtlich auf die tumorassoziierte Fatigue die zum invalidisierenden Charakter somatoformer Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze (BGE 130 V 352) analog anzuwenden.
vgl. auch

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