15.09.2009

Prospektives Gedächtnis bei hirnverletzten Menschen

Nach einer geläufigen Definition bezeichnet der Begriff des prospektiven Gedächtnis das Zusammenspiel jener kognitiven Prozesse, die erforderlich sind, spezifische Handlungen im Voraus zu planen und sich dann später zu einer passenden Gelegenheit von selbst daran zu erinnern, diese gemäß dem gefassten Plan auszuführen. Etwas einfacher ausgedrückt wird das prospektive Gedächtnis auch als das „Gedächtnis für Vorsätze und Aufträge“ bezeichnet (vgl. Internationaler Kongress zum Prospektiven Gedächtnis, Zürich 2005; Georg Goldenberg, Neuropsychologie: Grundlagen, Klinik, Rehabilitation, 2007, S. 22f. [bei Amazon.de]).

Prospektives Gedächtnis bei Hirnverletzten selten untersucht

Im Gegensatz zum retrospektiven Gedächtnis ist das prospektive Gedächtnis auch bei hirnverletzten Menschen nur selten Gegenstand von neuropsychologischen Untersuchungen, obwohl man aus der Praxis weiss, dass das prospektive Gedächtnis für die tägliche Lebensführung sehr wichtig ist und viele hirnverletzte Menschen durch Beeinträchtigungen in diesem Bereich stark behindert sind.
Eine Studie der neurologischen Abteilung des Singapore General Hospital von August 2009 zeigt nun, dass hirnverletzte Patienten beim sog. MIST-Test (Memory for Intentions Screening Test; Raskin 1994) signifikant schlechter abschnitten als eine gesunde Kontrollgruppe, und zwar sowohl nach einem als auch nach drei Monaten nach der Hirnverletzung.

Abstract

Hier das englische Abstract. Bestellt werden kann die Studie beispielsweise bei www.medline.ch
J Neurotrauma. 2009 Aug 21. [Epub ahead of print]
Chronic impairment in prospective memory following mild traumatic brain injury.

Tay SY, Ang BT, Lau EX, Meyyappan A, Collinson SL.
Singapore General Hospital, Neurology, Singapore, Singapore; tay.sze.yan@sgh.com.sg.

Prospective memory (PM), the ability to recall future intentions, is crucial for independent living. Impairment in PM is a common complaint following head injury and significant impediment to good recovery, yet no studies have explored PM in mild traumatic head injury (MTBI). In this study, prospective memory was examined in 31 MTBI patients and matched controls within a month of injury and three months after. MTBI patients performed more poorly than controls on the MIST task (Raskin 2004) within the first month following injury indicating that PM impairment is part of the acute cognitive sequelae of MTBI. These problems persisted beyond three months post injury suggesting that PM may be a sensitive indicator of cerebral compromise in mild brain injuries.

PMID: 19698071 [PubMed - as supplied by publisher]

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